Der Liederkranz in Zeiten von Corona

So viel steht fest: Singen im Chor ist mehr, als nur miteinander ein Lied zu singen. Ein Chor ist ein soziales System, in dem unterschiedliche Menschen einem gemeinsamen Interesse nachgehen. Sie wollen gemeinsam singen, und aus dieser Gemeinsamkeit entstehen Wohlbefinden, Empathie, Sympathie, Zuneigung und emotionale Nähe. Äußerst positive Gefühlslagen also, die uns allesamt gut tun. Und nun hat uns die Coronapandemie dieses herrlichen Kraftquells beraubt. Mit großer Geduld wurde das Dilemma bisher ertragen. Aber es zeigte sich, dass der Wunsch danach, doch wieder gemeinsam zu singen, in den Sängerinnen und Sängern in den langen Wochen gesanglicher und persönlicher Abstinenz immer stärker wurde. Überlegungen wurden angestellt: es müsste doch möglich sein, mittels digitaler Kommunikationsmittel Ersatz zu generieren für die montägliche Chorprobe. Und es wurde möglich, dank eines Programms, das Videokonferenzen ermöglicht. Die Chorleiterin und der Vorsitzende des Liederkranzes sprachen sich ab und trafen die Vorbereitungen für das Abenteuer „Chorprobe im Netz“.  Klar, der direkte Kontakt untereinander ist unersetzlich. Aber es ist immer noch besser, medial miteinander in Verbindung zu bleiben als gar nicht.

Das Ergebnis dieser aufregenden Unternehmung sollte dann auch mit digitaler Technik dokumentiert werden. Ein Gesangsvideo sollte erstellt werden. Leonard Cohens „Hallelujah" ist weltweit bekannt und äußerst beliebt. Die Chorversion gehört zu den Standards unseres Repertoires. Unsere Chorleiterin schlug vor, mit diesem Titel in die Welt des virtuellen Chorgesangs einzusteigen. Für die Beteiligten eine aufregende Sache. Kopfhörer aufgesetzt um die mp3-Datei im Ohr zu haben, Smartphone positioniert, und dann Start des Abenteuers: singen im stillen Kämmerlein vor laufender Videokamera (des Smartphones). Mit der Anzahl der Takes wuchsen Sicherheit und Spaß an der Sache. Schließlich ließen alle Beteiligten ihr Werk der „Tontechnikerin“ des Chors zukommen, die aus den Einzelaufnahmen einen virtuellen Chorgesang schuf. Das Ergebnis entschädigte die beteiligten Sängerinnen und Sänger dafür, dass sie sich bisher mit „Einbahnstraßen-Proben“ abfinden mussten.